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Mediation

Mediation ist ein modernes außergerichtliches Verfahren in dem die Konfliktparteien mit Hilfe eines geschulten, nicht beteiligten Dritten (des Mediators) die Lösung des Konflikts selbst versuchen.

Der Mediator ist neutral, steht unter Verschwiegenheitsverpflichtung und hat keine Entscheidungsbefugnis gegenüber den Parteien, wie der Richter bei einer Scheidungsverhandlung. Er leitet die Parteien an, ihre Position verständlich zu machen und Verständnis für den Gegner zu entwickeln.

Empfehlenswert kann die Mediation durch zwei Mediatoren sein, von welchen einer Jurist, und der andere Psychologe ist.

Es gibt vom Bundesministerium für Familie Förderungen für Mediation.

Wichtig ist es, dass bei der Auswahl des Mediators Einvernehmen zwischen den Parteien besteht und der Mediator von beiden Parteien als objektiv empfunden wird.

Die Mediation ist geregelt im Zivilrechts – Mediations – Gesetz aus dem Jahr 2003 ( BGBl. I 2003/39).

Nachfolgend Auszug aus einer Abschlussarbeit von Rechtsanwältin Mag. Katharina Braun- Diplomlehrgang Mediation ( zwar bereits aus dem Jahr 1998, aber noch immer akutell)

 

Entstehung eines Konflikts, und Versuch einer Definition der “Mediation”

Anstelle eines Vorwortes

Sprichwörter, welche für die Mediation sehr aussagekräftig sind.

  1. 1.       Der Konflikt gehört Dir (Euch), die Lösungen auch.
  2. 2.       Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht in der Suche nach neuen Landen, sondern im Besitz neuer Augen ( Marcel Proust)
  3. 3.       Mich interessiert nicht, woher die Dinge kommen, sondern wohin sie gehen ( Seneca)
  4. 4.       Wenn wir die Vergangenheit und die Gegenwart miteinander streiten lassen, werden wir die Zukunft verlieren ( Winston Churchill)

Der Begriff Mediation ist neu und alt zugleich. Streitschlichtung hat es schon immer gegeben, neu ist jedoch das setting dieser Methode. Es gibt unterschiedliche Grundkonzepte, welche sich in der Gewichtung der einzelnen Punkte unterscheiden. Großen Bekanntheitsgrad hat in etwa das „Havard Konzept“ erlangt ( Fisher/Ury/Patton)- eines der ersten und zugleich grundlegenden Modelle, in dem Verhandlungstheorie zu einem rationalen, umfassenden System geordnet wurde. Dieses System beinhaltet folgende wesentliche Leitlinien.

  1. Trennung von Sach- und Beziehungsebene
  2. Herausarbeitung der hinter den Positionen verborgenen Interessen
  3. Entwicklung mehrerer Lösungsmöglichkeiten
  4. Objektive Kriterien als Grundlage der Entscheidung

Begriffe wie Mediation, Moderation, Vergleichen, Verhandeln etc. werden oft miteinander vermischt.

Professionelle Mediation ist ein systematisch nachvollziehbarer Vorgang innerhalb eines Gesamtmodells, in dem sowohl Voraussetzungen, Rahmenbedingungen, Strukturen und Ziele als auch spezifische Rollen, Methoden und Techniken beschreibbar sind.

Es darf jedoch nie übersehen werden, dass Menschen mit all ihren Emotionen, und eben nicht Maschinen, die Akteure dieses Verfahrens sind.

Der Begriff der „mediation“ erklären die Sprachwissenschaftler u.a. wie folgt:

„dia“ – auseinandersetzen; Wechselbeziehung zwischen Nähe und Distanz

„me“- Mitte, daher „ me-dia“- in die Mitte einer Beziehung. Es ist wohl etymologisch weit hergeholt, wenn man die letzte Silbe von „me-dia-re“, nämlich „ re“ von „res“ – „die Sache“ ableitete. Dann jedoch wäre die Kette perfekt: „ die Mitte ( Mittlung) zwischen Beziehung und Sache“.

Üblicherweise wird  „ mediation“ schlicht mit „Vermittlung“ übersetzt.

Mediation hat eigene Regeln, Strukturen und Leitdifferenzen wie etwa „ fair und unfair“, „ selbst – und fremdbestimmt“, die nicht so leicht objektivierbar sind und die ihrer eigenen Sprache und Logik folgen. Die Mediation kann als alternatives Verfahren gerade nicht den Regeln und Methoden des Gerichts folgen, da diese sich leider oft als insuffizient oder kontraproduktiv erweisen.

Ein Konflikt folgt einem bestimmten Schema: Ansprüche werden erhoben und in Anschuldigungen zum Ausdruck gebracht, Forderungen werden formuliert, böse Worte ( Schriftstücke) gewechselt, Drohungen, Angst gefolgt von Wut und Aggression, Verletzungen, Beleidigungen, misstrauen- letztlich Eskalation, daher ein Überkochen der Emotionen, Einschreiten eines Rechtsanwalts etc.

In derartigen Situationen wird folgendes Paradoxon wirksam: Obwohl gerade in diesen Situationen ein „ klarer Kopf“ angebracht wäre, um miteinander lebenswichtige Entscheidungen treffen zu können, ist man hierzu durch die enorme emotionale  Belastung nicht imstande. Die rationale Konfliktlösungskompetenz verhält sich im Konfliktfall reziprok zur emotionalen Beschaffenheit.

Eine bekannte Konfliktdefinition von Glasl lautet:

„Sozialer Konflikt ist eine Interaktion zwischen Aktoren ( Individuen, Gruppen, Organisationen etc) wobei wenigstens ein Aktor Unvereinbarkeit im Denken/Vorstellen/Wahrnehmen und/ oder Fühlen und/oder Wollen mit dem anderen Aktor ( anderen Aktoren) in der Art erlebt, dass im Realisieren eine Beeinträchtigung durch einen anderen Aktor ( die anderen Aktoren) erfolge“. Dies ist eine sehr weit gefasste ( und eher kompliziert anmutende) Begriffsdefinition, es wären hier in etwa auch einfache Interessenkollisionen einzuordnen.

Diese eben genannte Definiton ist daher noch um den „Zwang zu einer Einigung“ zu erweitern. Wenigstens einer der beeinträchtigten Kontrahenten muss sich in einer körperlichen oder emotionalen Abhängigkeit von dem oder den anderen oder zur Sache befinden, dass er nicht einfach ausweichen oder ihn oder sie bekämpfen, gar vernichten kann, ohne sich selbst dabei substantiell zu schaden.

Kurzdefinition sozialer Konflikte nach KrainzKonflikte sind Interessenkollisionen unter Einigungszwang“.

Mit einer Mediation können negative Konsequenzen wie in etwa Einschränkung der Dispositionsfreiheit, „ Gerüchteküche“ mit dem daraus resultierenden Imageverlust durch Öffentlichkeit, Polarisierung im sozialen Umfeld, Kooperationsbruch, die mit einem Gerichtsverfahren einhergehende Fremdbestimmung verhindert werden. Die Mediation setzt am Problem und nicht am Konflikt an.

Gerhard Schwarz hat aufgrund ausführlicher interdisziplinärer Untersuchungen herausgefunden, dass es grundsätzlich sechs Konfliktregelungsmöglichkeiten gibt:

  1. 1.       Flucht

Probleme werden vermieden, unter den Teppich gekehrt etc.

Vorteile: rasch, einfach, schmerzlos, keine Verlustgefahr.

Nachteile: keine nachhaltige Lösung, unbefriedigend, keine Weiterentwicklung

  1. 2.       Kampf

Kann Vernichtung zum Ziel haben

Vorteile: dauerhaft, Auslese

Nachteile: ständige Selbstgefährdung, Angstbesetzung, keine Weiterentwicklung

Kampf kann aber auch Unterwerfung zum Ziel haben

  1. 3.       Unterwerfung

Vorteile: eigene Sicherheit, klar wiederholbar, Nutzung der Unterworfenen, Arbeitsteilung, human

Nachteile: permanente Bedrohung, Fremdbestimmung, instabil, starr, neue Konflikte

 

  1. 4.       Delegation

Übertragung der Entscheidung an einen Dritten

Vorteile: Gemeinsamkeit, Objektivität, Neutralität, endgültig, Sieg/Niederlage

Nachteile: Fremdbestimmung, Nichtidentifikation, Normunterworfener

  1. 5.       Kompromiss

 

Einigung in einem Teil unter (oft schmerzhafter) Aufgabe einiger/ eines Interesse/n.

Vorteile: Gesicht gewahrt, wenigstens etwas erhalten, Lösung aus eigener Kraft

Nachteile: Instabilität. Zeitaufwand, Verzicht, Verlust, Teilzufriedenheit

 

Die ideale Konfliktregelungsmöglichkeit ist jedoch der

  1. 6.       Konsens

„Win-win situation“

 

In einer ersten Zusammenfassung ist daher über die Mediation zu sagen:

 

  1. 1.       Ein professionell verstandenes Mediationsmodell verfügt über reflektierbare Rahmenbedingungen und Methodenrepertoires.
  2. 2.       Mediation hängt sowohl mit psycho- und soziodynamischen als auch mit mehrdimensionalen Rechtsfragen zusammen.
  3. 3.       Voraussetzung für Mediation ist ein qualifizierter sozialer Konflikt zwischen voneinander abhängigen Sozialkonstellationen.
  4. 4.       Ziel von Mediationen sind konstruktive Konfliktregelungen durch Kompromiss oder Konsens.

 

Einige Definitionen von Mediation:

Mediation ist die Einschaltung eines neutralen und unparteiischen Dritten im Konflikt, der die Parteien bei ihren Verhandlungs- und Lösungsversuchen unterstützt, jedoch über keine eigene ( Konflikt) Entscheidungskompetenz verfügt ( Breidenbach).

Mediation als prozesshafte Streit/Konfliktintervention, in der die Beteiligten freiwillig übereinkommen, mit dem Beistand eines neutral und überparteilich handelnden Dritten ( Vermittlers) im wechselseitigen Gespräch miteinander, in einer Atmosphäre der Gewaltfreiheit, des Vertrauens, des Respekts, der wechselseitigen Akzeptanz und Wertschätzung, der Fairness, der Informiertheit und der Offenheit eine selbständige eigenverantwortliche, einvernehmliche, interessenbezogene, faire, gleichwertige, zufriedenstellende Regelung des Streits/Konflikts zu versuchen bzw. sie zu erarbeiten.

Mediation ist faciliated negotiation. Mediation ist moderierte Verhandlung ( 1 harvard negotiation review).

Allgemein bleibt zu sagen, dass kooperatives Denken, wodurch die Interessen der Gegenseite miteingezogen werden, einen weit größeren Nutzen bringt als Verdrängungs- oder Vernichtungswettbewerb, der nur den raschen Gewinn einer Seite ohne Rücksicht auf Verluste im Auge hat.

Die Systemtheoretiker führen hierzu ebenfalls aus, dass die Welt aus einem Zusammenwirken verschiedener Teile zu einem Ganzen besteht. Die Logik des kooperativen Denkens ist mehrdimensional, zirkulär, d.h. kreisläufig: Sie beobachte, was geschehe, wie etwas funktioniere, wie sich die Dinge entwickeln etc.

Mediation hat langfristig tragfähige und zufriedenstellende Vereinbarungen zum Ziel, die sensibel und maßgeschneidert erarbeitet und mit gegebener Ergebnisidentifikation erfolgreich umgesetzt werden können. Konflikte brauchen ihre eigene Lösungszeit- Stichwort: „ Produktivität der Langsamkeit“.

Mediation ermöglicht daher die „Redelegation“ von Eigenkompetenz an den Ort, an dem sich ohnehin das bedeutendste Konflikthandhabungs- und Wissenspotential befindet: an uns selbst.

Wesentliche Prinzipien einer Mediation:

1-      Prinzip der Offenheit- Offenlegung aller für den Mediationsprozess erforderlichen Fakten

2-      Ausgleich ungleicher Machtverhältnisse

3-      Mediation ist zukunftsorientiert

4-      Fairness

5-      Vertraulichkeit

Ein Mediator ist vergleichbar einem Manager der Verhandlungen, nicht jedoch ist er zuständig für den Inhalt und die Ergebnisse des Mediationsverfahrens. Er behält die Redezeit der einzelnen Konfliktparteien im Auge und achte auf Ausgewogenheit. Eine wesentliche Grundhaltung des Mediators besteht in seiner Allparteilichkeit oder auch Äquidistanz, das heißt, er hält zu beiden Konfliktparteien die gleiche Distanz und verhält sich aus einer neutralen Position heraus.

Vereinbarung von Gesprächsregeln, entweder durch Vorgabe durch den Mediator oder als ein erster Teilschritt.

  1. 1.       Lassen sie jede Person ohne Unterbrechung aussprechen
  2. 2.       Streiten sie nicht
  3. 3.       hören sie zu, was die andere Person zu sagen hat, sie werden vielleicht herausfinden, dass sie in manchen Punkten zustimmen können
  4. 4.       beschuldigen sie die andere Person nicht, führen sie nur Tatsachen an
  5. 5.       sprechen sie nicht für die andere Person, sondern sprechen sie nur für sich selbst
  6. 6.       denken sie über eventuelle Wahlmöglichkeiten zur Lösung der Streitpunkte nach

Wesentlich ist die Trennung der Sach- von der Beziehungsebene

Im Hinblick auf den Verfahrensgegenstand ist es üblich eine individuelle Themensammlung von den Konfliktparteien anlegen zu lassen und in der Folge von beiden Parteien einzeln eine Rangordnung nach Wichtigkeit der Themen vornehmen zu lassen und dies in Übereinstimmung zu bringen.

Der einzelnen Konfliktpartei soll erkennbar sein, dass auch der Andere legitime Bedürfnisse hat, die er verstanden wissen will. Ziel soll hierbei auch sein, eine neue Definition der Beziehung zum Konfliktpartner zu erreichen ( beispielsweise eine Entwicklung von ehelicher Partnerschaft hin zu gemeinsamen Elternschaft). Noch bevor die Herstellung von Wechselseitigkeit erfolgen kann, ist es unabdingbar, Positionen und Interessen der Konfliktparteien voneinander zu trennen. Positionen alleine stehen oft als unvereinbar da. Verhandlungen und Vereinbarungen über Positionen alleine sind oft unmöglich. Die Verhandlungen über Interessen eröffnen einen weiteren Spielraum für Konfliktlösungsmöglichkeiten.

Während eines Mediationsprozesses kann es auch zu vorläufigen Einigungen oder partiellen Einigungen, bedingten Einigungen oder zeitlich beschränkten Einigungen kommen. Das  heißt, ein Konflikt kann in kleinere Einheiten aufgespaltet werden und so können Übereinkünfte auch Teillösungen sein, die bestimmte Bereiche und bestimmte zeitliche Phasen umfassen.

Eskalationsmodell von Glasl

Erste Stufe: Verhärtung der Standpunkte

Die Kommunikation ist bereits beeinträchtigt, es kommt zur allmählichen Verzerrung der Wahrnehmung der Konfliktpartner

Zweite Stufe: Polarisierung und Debatte

Härtere Kommunikation, „Entweder-oder- Dilemma.“ Die Unterschiede in den verschiedenen Punkten werden noch betont und es erfolgt bereits eine Schuldsuche in Urasche- Wirkungszusammenhängen.

Dritte Stufe: Konfrontation – Einschwörung auf Kampf

Es kommt zu Handlungen. Die Empathie für die andere Gruppe schwindet.

Vierte Stufe: Aufbau des Feindbildes

Vom Gegner werden Klischees und Stereotypen erstellt.

Fünfte Stufe: Einschwören auf „Point – of no return“, Sieg – Niederlage- Denken

Feindbild und Wirklichkeit verschmelzen miteinander. Negative einseitige Erwartungen blockieren die Vertrauensbereitschaft der Konfliktpartner. Ebenso können bereits Vergiftungseffekte auftreten.

Sechste Stufe: Wahnhafte Übersteigerung des Selbstbildes, Verzerrungen, wilde Drohgebärden

Extreme Drohstrategien, es kommt auch zu Gewaltdenken und – handeln. Irrationalität bestimmt das Handeln.

Siebente Stufe: Begrenzte Vernichtungsschläge

Die Schädigungsabsicht steht bei beiden Seiten im Vordergrund.

Achte Stufe: Vernichtungsfeldzug

Das Ziel ist es hier, die Existenzgrundlage des Gegners zu vernichten.

Neunte Stufe: Kamikaze- gemeinsam in den Abgrund

Es erfolgt ein totaler Kollisionskurs. Ziel ist der gemeinsame Untergang.

Glasl ordnet nun den einzelnen Stufen die verschiedenen Interventionsformen wie folgt zu:

Stufe 1-3: Moderation

Stufe 3-5: soziotherapeutische Begleitung

Stufe 5-7: Vermittlung bzw. Mediation

Stufe 7 – 9: Schiedsverfahren, Gericht

 

Für die Erstellung einer Konfliktdiagnose ist es für den Mediator sehr wichtig sich mit der Entstehung und Entwicklung eines Konflikts zu beschäftigen.